23 junge Menschen starten in ihre Ausbildung im Friseurhandwerk

Korbach. Wenn Senta-Maleen morgens zur Berufsschule nach Korbach fährt, beginnt ihr Tag früh. Die 15-Jährige aus Frankenberg (Eder) ist auf den Bus angewiesen und nimmt sich vor der Abfahrt bewusst Zeit für sich. Haare, Outfit, ein gepflegtes Auftreten – für Senta-Maleen gehört das dazu. Vielleicht passt auch deshalb ein Beruf zu ihr, in dem Kreativität, Ausstrahlung und das Gespür für Menschen eine große Rolle spielen. Senta-Maleen ist eine von 23 jungen Menschen, die zum 1. August 2026 ihre Ausbildung im Friseurhandwerk begonnen haben und jetzt die Fachklasse an den Beruflichen Schulen in Korbach besuchen. Noch vor einem Jahr wurde um jeden Ausbildungsplatz gerungen. Zwölf neue Ausbildungsverträge mussten zusammenkommen, damit die Friseurklasse am Standort erhalten werden konnte. Die Fachzeitschrift TOP HAIR griff die Situation Anfang des Jahres unter der Überschrift „Jeder Ausbildungsplatz zählt!“ auf und berichtete über die besondere Herausforderung, duale Ausbildung im ländlichen Raum zu erhalten. Heute lautet die Zahl nicht zwölf, sondern 23.

Manchmal braucht es einen zweiten Versuch

Sofia aus Korbach absolvierte gleich zwei Praktika. Das erste überzeugte die 16-Jährige noch nicht. „Da war ich eher fürs Kaffeekochen und Fegen zuständig.“ Sie gab dem Beruf eine zweite Chance. In einem anderen Salon durfte sie an Frisierköpfen arbeiten, Haare waschen und stylen und dem Team bei Farbveredelungen über die Schulter schauen. Besonders beeindruckte sie, was eine neue Frisur bei Kundinnen auslösen kann. „Man sieht, wie sie sich freuen, wenn sie fertig sind. Manche gehen ganz anders raus, fühlen sich schöner und selbstbewusster.“

Auch die Rückmeldung im Ausbildungsbetrieb schätzt sie: „Ich finde es gut, wenn mir gesagt wird, was ich schon gut gemacht habe, aber auch, woran ich noch arbeiten kann.“ Inspiration holt sich Sofia über Social Media. Farben, Stylings und Veränderungen zeigen ihr, was mit Erfahrung und Können irgendwann möglich sein kann.
In der Berufsschule fühlt sie sich ebenfalls wohl. Die Größe der Schule beeindruckt sie, das Angebot an warmen Mahlzeiten kommt gut an – und auch mit ihren Fachlehrerinnen Sabine Runge und Katja Herzog stimmt die Chemie. „Die sind cool. Es macht Spaß, hier zu sein.“

Ausprobieren gibt den Ausschlag
Auch bei Senta-Maleen führte der Weg über zwei Schulpraktika. Schon beim ersten durfte sie Haare waschen und beim Färben mitarbeiten. „Danach stand für mich fest: In dieser Atmosphäre möchte ich lernen und arbeiten. Hier habe ich freundliche Menschen um mich und kann kreativ sein.“ Ihre Eltern unterstützten die Berufswahl von Anfang an. Senta-Maleen möchte in den kommenden Jahren möglichst viel lernen, Schulungen und Seminare besuchen und sich fachlich weiterentwickeln. Ideen dafür findet auch sie in den sozialen Medien.

Rieke, 16 Jahre, aus Waldeck-Netze, kennt ebenfalls frühe Berufsschultage und längere Wege nach Korbach. Auf ihren heutigen Ausbildungsbetrieb wurde sie in der neunten Klasse über Facebook und Instagram aufmerksam und bewarb sich dort zunächst um ein Praktikum. Zwei Wochen konnte sie ausprobieren, was der Beruf bietet: Haare waschen und frisieren, an Frisierköpfen arbeiten, Flechttechniken üben und Einblicke in kosmetische Anwendungen wie Wimpernverlängerungen erhalten. Heute faszinieren sie besonders moderne Techniken rund um Haare und Kosmetik sowie der Kontakt zu Kundinnen und Kunden. Die drei Geschichten haben etwas gemeinsam: Sofia, Senta-Maleen und Rieke durften im Praktikum selbst etwas machen. Sie konnten ausprobieren und erste Erfahrungen sammeln. Und alle drei hatten Eltern, die hinter ihrer Berufswahl standen.

Viele haben an einem Strang gezogen

Dass heute 23 Nachwuchskräfte in der Korbacher Friseurklasse sitzen, ist nicht das Ergebnis einer einzelnen Aktion. Friseurbetriebe, Berufliche Schulen, Agentur für Arbeit, Friseur-Innung, Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg und das angeschlossene Berufsförderungswerk des Handwerks gGmbH haben an verschiedenen Stellen angesetzt. Über die Probierwerkstatt 2.0 können Schülerinnen und Schüler Handwerksberufe praktisch kennenlernen. Hinzu kommen Ausbildungsmessen, Schulbesuche und die Zusammenarbeit mit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Azubis berichteten in Interviews auf Instagram und Facebook selbst über ihren Beruf. Impulse und Materialien der bundesweiten Kampagne des deutschen Handwerks werden aufgegriffen und mit eigenen Geschichten aus Waldeck-Frankenberg verbunden. Auch regionale und überregionale Medien – darunter die Deutsche Handwerks Zeitung – machten die Herausforderungen bei der Nachwuchsgewinnung und der Sicherung von Berufsschulstandorten öffentlich. „Es gab nicht die eine Maßnahme, die plötzlich 23 Auszubildende gebracht hat“, sagt Kai Bremmer, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg. „Entscheidend war, dass viele Beteiligte in dieselbe Richtung gearbeitet haben. Die 23 jungen Menschen zeigen, dass es sich lohnt, dranzubleiben und neue Wege in der Nachwuchsgewinnung zu gehen.“

Starkes Signal für Korbach

Für Uwe Schönrock, OStD und Schulleiter der Beruflichen Schulen Korbach und Bad Arolsen, hat die Entwicklung auch Bedeutung für den Schulstandort. „23 Auszubildende sind ein starkes Signal für den Friseurberuf und unseren Berufsschulstandort. Gerade in einem Flächenlandkreis ist es wichtig, jungen Menschen eine qualitativ gute und möglichst wohnortnahe Beschulung zu ermöglichen.“ Was „wohnortnah“ bedeutet, zeigt schon der Alltag der jungen Auszubildenden. Einige nehmen längere Wege mit Bus und Bahn auf sich, um Schule und Ausbildungsbetrieb zu erreichen. Ein weiter entfernter Berufsschulstandort würde diese Wege zusätzlich verlängern. Umso mehr freut sich Sabine Runge, OStR an den Beruflichen Schulen Korbach und Bad Arolsen, über den starken Jahrgang. Seit vielen Jahren begleitet sie angehende Friseurinnen und Friseure; im kommenden Jahr geht sie in den Ruhestand. „Der Friseurberuf ist nach wie vor ein toller und kreativer Beruf, für den sich die Azubis bewusst entschieden haben. Das merkt man auch im Unterricht: Sie sind interessiert und voll dabei. Als ich zum ersten Mal in die Klasse kam und dort 23 Azubis saßen, war ich völlig geflasht. Wie jedes Jahr hatte ich gehofft, dass es wenigstens zwölf werden. Umso mehr freut es mich, dass es dieses Jahr fast doppelt so viele sind. Jetzt hoffe ich, dass dieser Trend anhält.“

Aus einem guten Start muss eine gute Ausbildung werden
Nun geht es darum, die Jugendlichen auf ihrem Weg zu begleiten. In der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung beim Berufsbildungszentrum Korbach (BBZ) vertieft Ausbilderin Agnieszka Konstantinou mit ihnen praktische Fertigkeiten. „In den ÜLU-Lehrgängen möchte ich die Begeisterung der jungen Menschen weiter fördern, ihnen ein Gefühl für Mode, Farben und Formen vermitteln und Raum für Kreativität geben. Ich freue mich sehr darauf, in diesem Jahr so viele Auszubildende im ersten Lehrjahr begleiten zu dürfen.“

Obermeisterin Maria Krasnikov. Foto: Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg

Maria Krasnikov hat im vergangenen Jahr das Amt der Obermeisterin der Friseur-Innung Waldeck-Frankenberg übernommen. Sie bildet selbst aus und war schon zuvor überzeugt, dass die Branche bei der Nachwuchsgewinnung neue Wege gehen muss. „Wenn wir Nachwuchs gewinnen wollen, müssen wir als Betriebe bereit sein, jungen Menschen eine Chance zu geben und auszubilden. Gleichzeitig müssen wir zuhören: Was brauchen unsere Betriebe, wo liegen die Schwierigkeiten und welche Ideen gibt es? Deshalb ist mir der regelmäßige Austausch wichtig – auch in kleineren Runden. Dort entstehen oft die besten Ansätze.“ Für Krasnikov gehört dazu auch, Jugendlichen einen echten Einblick in den Beruf zu ermöglichen: „Ein gutes Praktikum kann dabei entscheidend sein.“ Sofia, Senta-Maleen und Rieke zeigen, wohin genau das führen kann. Sie haben ausprobiert, mitgemacht – und sich für das Friseurhandwerk entschieden. Jetzt liegen drei Ausbildungsjahre vor ihnen, in denen aus ersten Erfahrungen immer mehr Können werden kann. Vor einem Jahr ging es in Korbach noch darum, die notwendige Zahl von zwölf Auszubildenden zu erreichen. Heute sind es 23. Das ist kein Endpunkt. Es ist ein ziemlich guter Anfang. Interesse am Friseurhandwerk? Jugendliche, die den Beruf kennenlernen, ein Praktikum machen oder einen Ausbildungsbetrieb finden möchten, können sich an die Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg wenden: Telefon 05631 9535-100, E-Mail info@khkb.de.